Wichtig – oder nur Wichtigtuerei?

Ausgabe Nr. 2
  • Die Kirche und ich
Autor:
Finger auf Computertastatur
©iStock

Die Größe Benedikts XVI. jetzt durch Indiskretionen kleinzumachen, ist – zumal durch einen bisherigen Vertrauten – fehl am Platz und verzichtbar.

Ob sich Menschen bewusst sind, wie kleinlich es wirken kann, wenn sie an die „große Abrechnung“ gehen? Ich kenne den langjährigen Privatsekretär Papst Benedikts, Erzbischof Georg Gänswein, nicht. Aber ich hoffe für ihn, dass er in Wirklichkeit mehr Größe hat, als es derzeit aussieht: Schnell ein Buch auf den Markt zu bringen, solange die Person Benedikts noch spannend ist, und darin aufzulisten, wo der nun dazu nicht mehr sprechen könnende Papst mit seinem Nachfolger Franziskus unzufrieden war, und das Ganze garniert mit der eigenen Unzufriedenheit über den eigenen Karriereknick – das alles wirkt höchstens auf die eingefleischtesten Fans von Erzbischof Gänswein positiv.

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Papst Benedikt war sich bei seinem Rücktritt wohl bewusst, dass die Situation eines Nebeneinanders von Vorgänger und Nachfolger besonderes Fingerspitzengefühl braucht. Kein Papst ist ein Klon seines Vorgängers, jeder denkt und handelt anders. Aber einer der Lebensinhalte Ratzingers war es, die Kontinuität der Kirche in aller Fülle unterschiedlicher Denker, Entscheider, Zeitumstände und Einflüsse herauszuarbeiten. Die Kirche nicht als eine Abfolge von Brüchen erscheinen zu lassen, in der die Wahrheit letztlich immer nur ein kurzlebiges Kind ihrer Zeit wäre.

So hat er auch als emeritierter Papst auf öffentliche Kritik an seinem Nachfolger verzichtet. Natürlich gehören die Unterschiede im Denken und Handeln der beiden Päpste in jede künftige Kirchengeschichte des 21. Jahrhunderts. Aber die spannendere, größere Geschichte ist die Loyalität beider Männer zur Kirche und damit zueinander. Sie war auch ein Zeichen der Größe Benedikts. Sie jetzt durch Indiskretionen kleinzumachen, ist – zumal durch einen bisherigen Vertrauten – fehl am Platz und verzichtbar.

Autor:
  • Michael Prüller
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