Transhumanismus: Unsterblich durch Technik?

Weltanschauungsserie
Ausgabe Nr. 9
  • Spiritualität
Autor:
Transhumanismus: Macht uns die Technik unsterblich?
Transhumanismus: Macht uns die Technik unsterblich? ©monsitj/Istockphoto

Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele gehört in vielen religiösen Traditionen zum festen und grundlegenden Glaubensbestand. Die Frage nach der Unsterblichkeit wird jedoch auch in anderen Zusammenhängen gestellt: Zum Beispiel im Transhumanismus.

So wird in manchen Bereichen der Technik und der Wissenschaft – ermöglicht durch den technologischen Fortschritt und die dadurch entstandenen Möglichkeiten – versucht, den physischen Tod zu überwinden, um ebenso in gewisser Weise eine Form von Unsterblichkeit zu erreichen. 

Werbung

Transhumanismus: Über die Grenzen des Menschen hinaus

Der Transhumanismus ist ein Beispiel dafür und bezeichnet eine Bewegung, welche die biologischen Grenzen des Menschen durch den Einsatz von Technologien erweitern will. Die Kernthemen des transhumanistischen Denkens sind u. a. die Lebensverlängerung, das Ziel der Unsterblichkeit und die Optimierung des Menschen. Diese Optimierung soll mithilfe neuer Technologien – wie künstlicher Intelligenz oder Innovationen aus Biotechnologie und Nanotechnologie – vorgenommen werden. Zudem ist ein weiteres Ziel, das menschliche Bewusstsein zu digitalisieren und in eine künstliche Umgebung zu übertragen.

Abhängigkeit von Technik und Maschinen

Während manche dieses Bestreben als die nächste Stufe der Evolution ansehen, warnen Kritikerinnen und Kritiker vor den damit zusammenhängenden ethischen und gesellschaftlichen Folgen. Hier stellt sich folgende grundlegende Frage: Wird der Mensch durch Technik wirklich unsterblich – oder nur abhängiger von Technik und Maschinen?

Die Fragen im Transhumanismus

Dass Menschen danach streben, sich selbst zu verbessern, ist kein neues Phänomen. Neu ist jedoch, dass heute die technologischen Möglichkeiten, die dafür verwendet werden können, ausgefeilter und weiter entwickelt sind als jemals zuvor. Vom Einsatz künstlicher Gelenke bis hin zur Veränderung von Erbanlagen findet auf vielfältige Weise bereits eine „technische Veränderung“ des Menschen statt. Im Zuge dessen können auch Beeinträchtigungen beseitigt sowie der körperliche Verfall hinausgezögert werden.

Die Idee des Transhumanismus wirft neben theologischen auch tiefgreifende ethische und soziale Fragen auf, die weit über technische und wissenschaftliche Überlegungen hinausgehen und die Grundlagen des Menschseins betreffen. Ein Kritikpunkt betrifft die Gefahr, dass Menschen gezwungen werden könnten, sich den Technologien und Entwicklungen zu unterwerfen, um in einer zunehmend technologisierten Welt konkurrenzfähig bleiben zu können. Und auch der Aspekt der (globalen) Gerechtigkeit spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: Wenn die Möglichkeit der technischen Weiterentwicklung und Optimierung mit Kosten verbunden ist, muss die Frage gestellt werden, ob diese Form des „Fortschritts“ dann wirklich für alle Menschen möglich ist, oder nur für jene, die sich dies auch leisten können – und wollen. 
 

©privat

Kurzinterview mit Robert Wurzrainer

 

Woher stammt der Begriff „Transhumanismus“?
Der Begriff wurde Mitte des 20. Jh. vom Biologen Julian Huxley geprägt und beschreibt die Idee, dass der Mensch durch Wissenschaft und Technologie seine biologischen Grenzen überwinden kann.
 

 

Manche meinen, die Menschheit sei bereits transhuman. Wie bewerten Sie diese Aussage?
Technische Entwicklungen zeigen, dass der Mensch zunehmend seine biologischen Grenzen erweitert. Die Frage ist, ob dies ausreicht, um von einer transhumanen Existenz zu sprechen – oder ob der Transhumanismus erst mit radikaleren Veränderungen beginnt.

 


Führt der technologische Fortschritt zum Verlust der Menschlichkeit?
Das muss nicht unbedingt so sein. Wenn jedoch der Fortschritt wichtiger wird als unsere Autonomie und Individualität, sowie die Menschenwürde, dann wäre das problematisch.

Diese und andere Probleme beleuchten Referenten und Referentinnen der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen in Texten der Serie "Weltanschauungsarbeit heute", die ab 29. September 2024 bis Juli 2025 läuft. Jedes Monat wird ein Text zu einem bestimmten Thema veröffentlicht. 

Teil 5: Serie "Weltanschauungsarbeit heute", eine Kooperation der Österreichischen Kirchenzeitungen und der Arbeitsgemeinschaft Weltanschauungsfragen.

Autor:
  • Robert Wurzrainer
Werbung

Neueste Beiträge

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Als Bestatterin ist Beate Künzl, 58, aus Drasenhofen mit einem Thema konfrontiert, das die meisten Menschen lieber verdrängen: mit Sterben und Tod.

| Sonntagsjause
SONNTAGs-Jause

Johann-Philipp Spiegelfeld moderierte die TV-Sendung „Herrschaftszeiten", wo er mit Charme Österreichs Schlösser vorstellte. „Herrgottszeiten" heißt sein neues Format, in dem er sich nun den Klöstern und Stiften widmet. Darüber und über vieles andere haben wir mit ihm im Podcast geplaudert.

Advertorial
Stift Göttweig
Stift Göttweig

Das Stift Göttweig präsentiert am 6. April, um 16:30 Uhr die "Passion Jesu".