Taylor Swift: Theologische Analyse

Taylor Swift-Podcast
Ausgabe Nr. 14
  • Kunst und Kultur
Autor:
Die "Swifties" - die vorwiegend weibliche Anhängerschaft der Sängerin - bilden eine starke, fast kultartige Gemeinschaft, die in ihrer Struktur Ähnlichkeiten zu religiösen Bewegungen aufweist, so die beiden Theologinnen Linda Kreuzer und Eva Puschautz über die Taylor Swift-Fans.
Die "Swifties" bilden eine starke, fast kultartige Gemeinschaft so die beiden Theologinnen Linda Kreuzer und Eva Puschautz über die Taylor Swift-Fans. ©Flickr/https://www.flickr.com/photos/94347223@N07/8588950448/

Theologischer Podcast "Diesseits von Eden" mit Theologinnen Linda Kreuzer und Eva Puschautz erzählt über Popkultur als moderne Sinnstiftung.

Popikone oder Pop-Göttin? In der aktuellen Episode des Podcasts "Diesseits von Eden" gehen die Theologinnen Linda Kreuzer und Eva Puschautz der Frage nach, ob Taylor Swifts Musik und ihre treue Fangemeinde eine quasi-religiöse Dimension haben. Die Analyse zeigt, Swifts Songtexte enthalten zahlreiche religiöse Anspielungen, und ihre Fangemeinde weist Parallelen zu Glaubensgemeinschaften auf. So tauschen Swifties nicht nur Freundschaftsbänder auf Konzerten - sie erleben Swifts Musik als spirituelle Erfahrung und interpretieren ihre Lieder als moderne Psalmen. "Ob bewusst oder unbewusst - Swifts Musik regt zu theologischen Diskussionen an und zeigt, dass Popkultur weit mehr als nur Unterhaltung sein kann", erklärt dazu die Wiener Sozialethikerin Kreuzer.

Werbung

Taylor Swift und religiöse Texte

So greift die amerikanische Künstlerin etwa in im Lied "Guilty as Sin?" (2024) auf biblische Narrative wie die Kreuzigung Jesu und das Wegrollen des Steins vom Grab zurück: "What if I rolled the stone away, they're gonna crucify me anyway." Auch in anderen Songs sind religiöse Bilder präsent, die Themen wie Erlösung, Schuld und Vergebung aufgreifen. "Es ist faszinierend, wie oft Taylor Swift in ihren Songs mit religiöser Sprache arbeitet, ohne explizit eine theologische Aussage treffen zu wollen", meint Puschautz, aktuell als Postdoc-Universitätsassistentin im Fachbereich Neues Testament tätig.

Besonders auffällig ist laut der Sozialethikerin Kreuzer, dass Swift oft Fragen von Sünde und moralischer Verantwortung verhandelt - Aspekte, die auch in christlichen Lehren eine zentrale Rolle spielen. "Ihre Lieder laden zu Reflexionen über Schuld und Vergebung ein und sprechen damit etwas an, das tief in vielen religiösen Traditionen verankert ist", so Kreuzer.

Swifties als Glaubensgemeinschaft?

Die "Swifties" - die vorwiegend weibliche Anhängerschaft der Sängerin - bilden eine starke, fast kultartige Gemeinschaft, die in ihrer Struktur Ähnlichkeiten zu religiösen Bewegungen aufweist, so die beiden Theologinnen. "Die Art und Weise, wie sich Swifties gegenseitig unterstützen und gemeinsame Rituale pflegen, erinnert stark an religiöse Gemeinschaften", betont die Bibelwissenschaftlerin Puschautz.

Rituale wie das Knüpfen und Tauschen von Freundschaftsbändern während ihrer Konzerte verstärken das Zugehörigkeitsgefühl der Fans. "Manche sprechen sogar von einem 'sakralen Raum', wenn sie Swifts Konzerte beschreiben - eine Erfahrung, die über reine Unterhaltung hinausgeht", ergänzt Kreuzer. Zudem hätten einige Fans Swift sogar als eine Art "spirituelle Führungspersönlichkeit" bezeichnet, was ein Hinweis auf die tiefe emotionale Bindung zwischen der Künstlerin und ihrem Publikum sei.

Gesellschaftliche Bedeutung von Taylor Swift

Es gibt laut Kreuzer und Puschautz auch eine gesellschaftliche und politische Bedeutung von Swifts Einfluss. So engagiert sich die Sängerin wiederholt für soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung - was in religiösen Kontexten als ein Engagement für Nächstenliebe und Solidarität interpretiert werden könnte. "Swift nutzt ihre Plattform, um Werte wie Mitgefühl und Gerechtigkeit zu vermitteln - Werte, die auch zentrale Prinzipien vieler religiöser Traditionen sind", so Kreuzer.

Ihre Lieder und öffentlichen Aussagen würden daher nicht nur zu theologischen Reflexionen anregen, sondern seien auch Teil eines gesellschaftlichen Diskurses über Werte und Moral. Manche Fans deuten ihre Songs als persönliche Glaubensbekenntnisse, die sich mit existenziellen Fragen nach Hoffnung, Vergebung und einer höheren Macht befassen. "Es zeigt sich, dass Musik ein Medium sein kann, um über spirituelle Fragen nachzudenken, selbst wenn sie nicht ausdrücklich religiös ist", meint Puschautz dazu.

Religiöse Symbolik bei Taylor Swift

Ob die Pop- und Country-Sängerin mit mehr als 200 Millionen Tonträgern bewusst eine religiöse Symbolik nutzt oder ob die spirituellen Elemente in ihren Songs eher zufällig entstehen, bleibt ungeklärt. "Manche ihrer Songtexte lesen sich fast wie moderne Psalmen - sie sprechen von Trost, Hoffnung, aber auch von innerem Ringen und Zweifeln", erklärt Puschautz.

Während einige Beobachterinnen und Beobachter argumentieren, dass Swift gezielt mit religiösen Motiven spielt, um eine tiefere Verbindung zu ihrem Publikum herzustellen, sehen andere in ihrer Musik eher eine intuitive Auseinandersetzung mit universellen menschlichen Themen. Kreuzer und Puschautz verweisen darauf, dass sich ähnliche Phänomene auch bei anderen Künstlerinnen und Künstlern finden lassen, deren Musik als spirituell empfunden wird, ohne explizit religiös zu sein.

Auch ihre Shows würden aufwendig inszenierten Erzählungen gleichen, so die beiden Expertinnen. "Für viele Fans fühlt es sich an wie eine Reise, bei der sie sich selbst und ihre Emotionen wiederfinden", so Puschautz. Ähnlich wie religiöse Zeremonien oder Pilgerfahrten bieten Swift Konzerte vielen Fans einen Raum für emotionale und gemeinschaftliche Erlebnisse.

Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Swifts Werk

Dass Taylor Swifts Musik und öffentliche Person theologische Diskussionen anregen, zeigt sich nicht zuletzt in der akademischen Auseinandersetzung mit ihrem Werk. An der Universität Wien wurde im Jänner ein Workshop mit dem Titel "Take us to Church, Taylor!" abgehalten, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Frage nachgingen, inwiefern Swift eine spirituelle Sehnsucht in der Gesellschaft bedient. "Wir sehen eine wachsende Zahl an wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit Swifts Wirkung auf ihre Fans und den spirituellen Dimensionen ihrer Musik auseinandersetzen", so Kreuzer, eine der Workshop-Organisatorinnen.

Die gesamte Podcast-Folge unter dem Titel "Glaubensbekenntnis à la Taylor Swift: Pop, Theologie und die Swiftie-Community" kann online nachgehört werden. "Diesseits von Eden" ist ein Gemeinschafts-Podcast der Theologischen Fakultäten in Österreich und Südtirol. Er wurde vor inzwischen vier Jahren gestartet.

Autor:
  • KAP/Red
Werbung

Neueste Beiträge

| Heiligenschein
Geduldiger Stigmatiker

Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.

| Heiligenschein
Der Heilige fürs Web

Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.

| Heiter bis heilig
Anekdoten

Pater Andreas Hiller aus der Marienpfarre in Wien-Hernals versuchte den Konflikt zwischen zwei älteren Damen aus der Pfarre zu schlichten und lud sie nach ein paar Versuchen auf ein Glas Wein ein. Sie wurden endlich Freundinnen.