Mythen weichen, Salieri tritt hervor
Zum 200. Todestag des MaestrosAm 7. Mai 2025 jährt sich der Todestag des italienisch-österreichischen Komponisten Antonio Salieri zum 200. Mal. Ein Anlass, der in Wien groß gefeiert wird und die Gelegenheit bietet, einen der einflussreichsten Musiker seiner Zeit neu zu entdecken und hartnäckige Mythen zu entkräften.
Das Erbe von Antonio Salieri
Einer jener Orte, an denen 2025 Salieris musikalisches Erbe zu neuem Leben erweckt wird, ist die Kapelle der Wiener Hofburg, die einstige Hauskapelle der Habsburger. Der kleine, prachtvolle Sakralraum über der Schatzkammer im Schweizer Hof der Hofburg ist ein architektonisches Juwel und regelmäßig Schauplatz außergewöhnlicher kirchenmusikalischer Aufführungen. Die hier von der Wiener Hofmusikkapelle und den Wiener Sängerknaben aufgeführten Messen und Konzerte zählen zu den musikalischen Glanzpunkten im Wiener Musikleben und werden für ihre Qualität und spirituelle Intensität geschätzt. Wo vor über zwei Jahrhunderten Antonio Salieri als Hofkapellmeister wirkte, wird dessen musikalisches Werk nun in Erinnerung gerufen.
Salieri auf dem Weg nach Wien
Geboren 1750 im italienischen Legnago, führte Salieris Weg schon in dessen Jugend nach Wien. „Mit 16 Jahren traf Antonio Salieri auf den Komponisten Florian Leopold Gassmann, der ihn einlud, mit an den Kaiserlichen Hof nach Wien zu kommen“, berichtet Ursula Magnes, Musikchefin von radio klassik Stephansdom, dem SONNTAG. Dort machte der Italiener schnell Karriere und wurde 1788 zum Hofkapellmeister ernannt. Salieris Beziehung zu Mozart, die durch den Film „Amadeus“ in ein falsches Licht gerückt wurde, beschreibt Magnes als „ein völlig ‚normales‘ Konkurrenzverhältnis zwischen einem Genie und einem gefragten Komponisten“. Sie betont: „Salieris Musik gefiel dem Kaiser. Da hatte Mozart das Nachsehen.“ Als Hofkapellmeister hatte Salieri „für kaiserliche Kirchenmusik zu sorgen“, schildert die Musikexpertin. „Handwerklich perfekt im Stil seiner Zeit, hat er ganz einfach und professionell ‚geliefert‘.“ Zu seinen bekanntesten sakralen Werken zählt das Requiem in c-Moll, das am 7. Mai in der Wiener Hofburgkapelle aufgeführt wird. Salieris Bedeutung geht jedoch weit über sein kompositorisches Schaffen hinaus. Er war ein herausragender Musikpädagoge, zu dessen Schülern Größen wie Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Franz Liszt zählten. „Er muss ein toller Musikpädagoge gewesen sein, schaut man auf seine Schüler-Liste“, sinniert die Musikchefin.
Höhepunkte des Salieri-Jahres
Um Salieri einem breiteren Publikum näherzubringen, wurde zu Jahresbeginn die Reihe SALIERI 2025 ins Leben gerufen. Jürgen Partaj, Intendant von SALIERI 2025 und Direktor der Wiener Hofmusikkapelle, sagt: „Die Spurensuche hat sich zu einer Schatzsuche entwickelt. Ich freue mich, dass ich zahlreiche Institutionen und Künstlerinnen und Künstler dafür gewinnen konnte, im Jahr 2025 das Augenmerk auf Salieri zu richten und somit gemeinsam diese musikalischen Schätze zu heben.“ Das Programm umfasst Konzerte, Vorträge und andere Veranstaltungen an verschiedenen Orten in Wien. Ein Höhepunkt ist das Salieri-Festival vom 27. April bis 21. Mai 2025. Es beginnt mit der Aufführung von Salieris „Missa in D-Dur“ (siehe Gewinnspiel rechts) in der Hofburgkapelle und endet mit der Uraufführung von eigens in Auftrag gegebenen Kurzdramoletten. Besonders erwähnenswert ist auch die Feierstunde zu Salieris 200. Todestag am 7. Mai, bei der sein selten aufgeführtes Requiem in c-Moll in der Hofburgkapelle erklingen wird – ein Werk, das er für seine eigene Totenfeier komponierte und das als Höhepunkt seines kirchenmusikalischen Schaffens gilt.
„Salieri war weit mehr als nur ein Rivale Mozarts.“
Ursula Magnes, Musikchefin von radio klassik Stephansdom
Das Salieri-Jahr 2025
Die Wiederentdeckung Salieris zeigt, dass er weit mehr war als nur Mozarts Rivale. Er war ein brillanter Komponist, ein einflussreicher Lehrer und ein geschickter Diplomat am Wiener Hof. Ein Schüler nannte ihn sogar „einen Diplomaten wie den französischen Staatsmann Talleyrand“, führt Ursula Magnes aus. Antonio Salieris Vermächtnis ist in Wien – wo er beinahe sechs Jahrzehnte seines Lebens verbrachte – allgegenwärtig. Ursula Magnes nennt als wichtigste Orte für Salieris Wirken: „Der Wiener Musikverein, dessen Singschule er gründete, und die Hofburgkapelle, wo er als Hofkapellmeister wirkte.“ Mit SALIERI 2025 erhalte der Komponist nun endlich die Anerkennung, die er verdient. Der Direktor der Hofmusikkapelle, Jürgen Partaj, fasst zusammen: „200 Jahre nach dem Tod Salieris wird 2025 für viele Menschen die Möglichkeit einer Erstbegegnung mit Antonio Salieri und für Kenner eine Neubetrachtung dieser so wesentlichen Persönlichkeit des europäischen Kulturlebens bieten. Möglichst viele sollen die Chance bekommen, den Kosmos Salieri zu erfahren!“
Antonio Salieri neu entdecken
„Musik! Himmlische Imitation der Natur! Wie sehr danke ich dir für die glücklichen Stunden, die du mir gebracht hat!“, lautet ein dem Maestro zugeschriebener Ausspruch. Das Jubiläumsjahr 2025 bietet zahlreiche Gelegenheiten, Antonio Salieri neu zu entdecken und sein reiches musikalisches Erbe zu würdigen, wie sein Schüler Joseph Weigl notierte: „Ruh sanft! Vom Staub entblößt, wird Dir die Ewigkeit erblühen. Ruh sanft! In ew’gen Harmonien ist nun Dein Geist gelöst. Er sprach sich aus in zaubervollen Tönen. Jetzt schwebt er hin zum unvergänglich Schönen.“

Zur Person
Antonio Salieri stieg 1788 als Hofkapellmeister in Wien zu einem der einflussreichsten Musiker seiner Epoche auf. Zu seinen Verehrern zählten Musikgrößen wie Beethoven und Liszt.
Mehr zum Salieri-Jahr 2025
Weitere Infos: ▸salieri2025.at