"Ich fühlte mich bereit, mich mit dem Glauben zu beschäftigen"

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 9
  • Spiritualität
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In der Pfarre „Zu allen Heiligen“ (Wien 20) hat Anna Hiermann ein spirituelles Zuhause gefunden. ©privat

Anna Hiermann, 21, hielt die katholische Kirche jahrelang für „ewiggestrig“ und „reaktionär“ und wollte nichts mit ihr zu tun haben. Vor einem Jahr änderte sich das: Wie aus heiterem Himmel kam ihr die Idee, sich firmen zu lassen.

Anna Hiermann wurde als Baby getauft und ging später zur Erstkommunion – das gehörte sich eben so, fanden ihre Eltern. Aus Tradition dann auch noch die Firmung empfangen? Das kam für Anna als Jugendliche nicht in Frage.

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Frau Hiermann, vor einem Jahr kam Ihnen auf einmal der Gedanke, doch zur Firmung zu gehen – obwohl Sie zu diesem Zeitpunkt mit Kirche und Glauben nicht viel zu tun hatten. Wieso das?

Mir ist die Idee, mich firmen zu lassen, fast wie aus heiterem Himmel zugefallen, und sie hat mich nicht mehr losgelassen. Lange Zeit war ich der Kirche gegenüber sehr kritisch eingestellt und hielt sie für ewiggestrig und reaktionär. Das hatte sich zu diesem Zeitpunkt etwas geändert. Ich war milder geworden und fühlte mich auf einmal bereit, mich mit dem Glauben zu beschäftigen.


Zwei weitere wichtige Dinge passierten zeitgleich: Auf einmal zogen mich Kirchen stark an. Kam ich an einer Kirche vorbei, setzte ich mich hinein. Und ich habe mich im Studium mit religionskritischen Texten beschäftigt, mit Karl Marx, Rosa Luxemburg und Wladimir Iljitsch Lenin. Beim Lesen dachte ich: Das kann doch nicht alles sein! Die Kritik an der Religion kam mir sehr verkürzt vor. Also beschloss ich, weiter zu recherchieren und mich selbst mit Religion und Glauben auseinanderzusetzen. Ich habe ‚Einführung in das Christentum‘ von Papst Benedikt gelesen und Bücher wie ‚Glauben – Wie geht das?‘ von Matthias Beck und ‚Glaube, der nach Freiheit schmeckt‘ von Melanie Wolfers und Andreas Knapp.

Karl Marx motivierte Sie, ‚Einführung in das Christentum‘ zu lesen?

Genau! Wobei das Buch zwar interessant, aber auch sehr anspruchsvoll war. ‚Glauben – wie geht das?‘ von Matthias Beck fand ich einfacher und sehr augenöffnend. Darin schreibt Beck zum Beispiel über das Gottesbild im Christentum: Der christliche Gott ist kein Gott, der den politischen Eliten dient, er hat die Israeliten aus Ägypten herausgeführt. Zuerst setzte ich mich also intellektuell mit dem Christentum und seiner Geschichte auseinander, dann stellte ich mir die Frage, was das für mein Leben bedeutet. Mein Glaubensweg war der vom Kopf ins Herz.

Sie haben in der ‚Pfarre zu allen Heiligen‘ im 20. Bezirk mittlerweile einen Ort der Gemeinschaft gefunden.

Dort habe ich Leute kennen gelernt, die ihren Glauben auf eine in meinen Augen gesunde Weise leben. Früher dachte ich, alle Menschen, die in die Kirche gehen, sind streng konservativ eingestellt. Dieses Vorurteil hat sich in der Pfarre nicht bestätigt. Ich lernte viele sehr unterschiedliche Menschen kennen. Das ermöglichte mir ein differenziertes Bild.

Sie starten bald mit der offiziellen Vorbereitung auf die Firmung. Wie wird sie ablaufen?

Ich habe im Vorfeld recherchiert, welche Möglichkeiten es gibt, und mich schließlich für den Firmkurs für Erwachsene entschieden, den die Erzdiözese anbietet. Die Firmung wird im Mai gefeiert.

„Die Religionskritik von Karl Marx motivierte mich, mich auf den Glaubensweg zu machen.“

Anna Hiermann

 

Wie haben eigentlich Ihre Eltern auf Ihre Entscheidung reagiert, sich firmen zu lassen?

Meine Familie unterstützt mich. Mit ihr rede ich auch sehr intensiv über alles, was mich beschäftigt. Jetzt im Rückblick muss ich sagen: Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich damals als Jugendliche nicht zur Firmung ‚gezwungen‘ haben. So konnte ich mich als Erwachsene selbst dazu entscheiden.

 

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Autor:
  • Sandra Lobnig
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