4. Oktober: Heiliger Franz von Assisi
Geduldiger Stigmatiker
Sein Name war ursprünglich sein Spitzname. Ohne ihn würden wir heute den heiligen Giovanni, Bernardone feiern. Das wäre auch ok, aber wir sind gewöhnt, vom heiligen Franz von Assisi zu sprechen. Und das kam so: Giovannis Vater war ein wohlhabender Tuchhändler, der aus Frankreich Stoffe importierte und seinen Sohn daher Francesco, kleiner Franzose, nannte. Und seither haben unzählige Francescos die Welt bevölkert.
Das Original wurde um 1181 im italienischen Assisi geboren. Als verwöhnter Fratz feierte Franz auf Vaters Kosten Feste und träumte von Erfolgen als Ritter, ließ aber nach verlorenen Kämpfen und Gefangenschaft davon ab und wandte sich Gott und den Armen zu. Als er eine Kirche renovieren wollte, verkaufte er gegen den Willen seines Vaters Tuchballen. Als ihn dieser zur Rede stellte, zog er sich komplett aus, gab ihm seine Kleidung und verzichtete auf sein Erbe.
Bekannter Stigmatiker
Danach verschwindet er. Da man nicht annahm, dass er sich aus dem Staub gemacht hatte, vermutete man, dass er früh gestorben war. Warum? Vielleicht war er alt Vater geworden. Und das bot sich auch als Lösung für ein anderes Problem an, nämlich Jesu Geschwister, die der Evangelist Matthäus erwähnt. Die Kirchenväter nahmen an, dass es sich um Josefs Kinder aus erster Ehe handeln könnte und dass er Witwer war, als er Maria heiratete.
Der Rest ist Geschichte. Franz, der als fröhlich und geduldig beschrieben wird, lebte zunächst alleine, fand aber bald Anhänger, denn seine radikal arme Lebensweise faszinierte viele. Und so entstand der Orden der Minderbrüder, der sich später in Franziskaner, Minoriten und Kapuziner aufspaltete.
Franz ist auch der erste bekannte Stigmatiker, Träger der Wundmale Christi.
Der Tod von Franz von Assisi
Es war wohl auch Ergebnis des Raubbaus an seiner Gesundheit, den er durch ständiges Fasten verursachte, dass F erst 44 Jahre alt war, als er am 3. Oktober 1226 starb. Nur zwei Jahre später wurde Franz von Assisi heiliggesprochen.

Das Buch zum Podcast
Heilige, das sind beeindruckende Persönlichkeiten auf allen Kontinenten, in allen Jahrhunderten: Herrscher und Sklaven, Brave und Aufmüpfige, Geistliche und Laien. Diese bunte Schar porträtiert Autorin Bernadette Spitzer in kurzweilig-informativen Geschichten, wobei sie die Besonderheit der jeweiligen Persönlichkeit treffend hervorkehrt. Sie übersetzt die teils sperrigen Quellen in eine heutige Sprache und spart dabei nicht mit einem Augenzwinkern. Die tägliche Auswahl dieser „Vorbilder“ reicht von in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, bis hin zu solchen, die erst vor kurzem heilig- oder seliggesprochen wurden. Aufgefrischt durch moderne Illustrationen und bemerkenswerte Zitate wird das Buch zur täglichen Inspirationsquelle.
Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
Wiener Dom-Verlag.
ISBN: 978-3-85351-294-4
Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags.